Daten-Rambo im Denglisch-Dschungel von Dario Muskato

Chef:               Guten Tag, Herr Schneidekötter!

Bewerber:      Guten Tag, Herr Klötermann!

C:                                Bitte setzen Die sich doch. Möchten Sie einen Kaffee? Einen Keks vielleicht?

B:                    N…nein, nein danke!

C:                                Wieso nicht? Vertragen Sie keine Kekse? Dies ist doch eine Keksfabrik! Früher die „Klötermann Kekswerke GmbH & Co. KG“, heute die „Cookie Manufacturing Unit Central Hambourg“!

B:                    Ja, natürlich. Da nehme ich doch einen Keks, vielleicht…

C:                    Nehmen Sie den mit „Marvelous Chocolate Flavour“ oder den mit „Andalousic Cinemon-Spirit“. Sehr lecker. Gut für den „Body-Index“, hehehe.

B:                    D…danke. Sehr freundlich. (Würg)

C:                    So, Herr Schneidekötter. Sie haben sich also auf unsere Anzeige hin beworben. Als „IT-Expert Bachelor of Digital Arts and International Processing“.

B:                    Genau. Meinen Abschluss habe ich an der Fernschule in Unterwusel absolviert.

C:                    Ah, am „College of Integrating Networks and Social Future-Design“!

B:                    Ja. Mein Schwerpunkt war – wie in Ihrer Anzeige gesucht – das Reinigen von Virtuellen Laufwerken im Cloud-Betrieb. Das würde also passen!

C:                    Korrekt. Auf dem Gebiet des „Discdrive-Clean-Management“ haben wir in der Tat Bedarf. Das erfordert aber auch Hintergrundwissen, Basics!?

B:                    Mein Zusatzstudium am Raumpflegeinstitut Salzburg…

C:                    Sie meinen das „Salisbourg Institute of Hygienic Controlling and Clean-Skill-Optimation“?

B:                    Genau. Da habe ich die Grundlagen der Praxis erworben. Theoretisch.

C:                    Sehr schön. Das klingt doch schon mal nach „Highscore Life-Planning“!

B:                    Wie bitte?

C:                    Egal. – Wieso meinen Sie, dass gerade SIE der richtige Mann für unser „Balanced-Team-Schedule“ sind?

B:                    Öhhhh.

C:                    Oder präziser gefragt: Welche „Social-Directed Personal Groundation“ bringen Sie mit?

B:                    Ist das ansteckend, hahaha! – Äh… kleiner Witz!

C:                    Very funny indeed! – Aber reden wir Deutsch miteinander: Uns, also dem “Boss-Council of Cookie Manufacturing Unit Central Hambourg” ist an Ihrem Bewerberprofil, ihrem „Life-Log“, ein „Lap“ aufgefallen…

B:                    Ich bin kein Lappe!

C:                    Very funny again. – Sie befassen sich doch aber mit „Social-Integrated-Systems and Networks“!?

B:                    Wie Sie so schön sagen: Indeed!

C:                    Bingo! – Aber unser Research am „Social Surrounding“ hat nichts erbracht!

B:                    Wie? Sorry: What?

C:                    Lassen Sie mich noch deutlicher werden: Wie können wir vom „Boss Council of Cookie Manufacturing Unit Central Hambourg“ einem „User“ das „Go“ geben, der nicht einmal bei „Faicebook“ ist?

B:                    Schluck!

 C:                    Nicht bei „Twietter“, nicht bei „Uh-Tube“ „Personal Movie“ als „Option bootet“ und weder „Site“, „Blog“, „Own Newsfeed“ noch „Minimum-E-Bäy-Account-Profile“ besitzt?! Sie sind privat nirgendwo „digital in View“! – Sind Sie etwa ein Sonderling?

B:                    Würde ich so nicht sagen…

C:                                Was haben Sie zu verbergen? Von jedem normalen Menschen gibt es im Web doch tausend „Visual Files“ mit „Shoots“ von Saufparties, „Sexy Castings“ und mit „Funny Animals“!? – Was tun Sie so Schlimmes, dass Sie es nicht zeigen wollen!? Das riecht uns sehr nach „Cloaking Manner“ eines „Social Outcast“, eines „Modern Misfit“!?

B:                    Ich verstehe nicht. Was wollen Sie genau sagen?

 C:                                Na, jetzt einmal „Butter by the Fish“: Alle, selbst meine Frau und mein Hund nehmen täglich teil am „Social-Network-Universe“. Es ist einfach üblich, „connected“ zu sein und „Infostreams zu surfen, zu createn and loopeffects zu usen“.

B:                    Ich lese in meiner Freizeit halt lieber!

 C:                    Aber nicht „digital“! Es gibt von Ihnen auch keine „Tracing-Signs“ im „Reader-Cloudspace“. Sie scheinen gar nicht zu existieren!.- Sehen Sie: Wir vom „Boss Council of Cookie Manufacturing Unit Central Hambourg“ besitzen von jedem Mitarbeiter ein „Complete Homeprofile and Psycologic Pattern Chart“. Wir kennen gern das „Private Life“ und können somit dann die Persönlichkeit eines jeden „Cookieworkers“ klar „sreenen“. Aber bei Ihnen: „Zero“!

B:                    Nun, ich habe privat nichts zu verbergen!

 C:                    Ich will ehrlich mit Ihnen sein, mein Sohn: Die „Theoretic Skills“ sind alle „Over-The-Top-Scorecard“. Sieht gut aus. Aber die „Private-Social-Scale“ hat ein „No-Go“! Wir können solche diffusen Charaktere wie Ihren leider nicht „teamen“. Das verstehen Sie sicherlich, nes pas?

B:                    Und das heißt genau?

C:                    Wenn Sie mich nicht überzeugen, dass Sie ein „Real-Member of Society-Trust“ sind, dann werde ich sie nicht „on Payroll moven“!

B:                    He?

C:                    Na: “nicht einstellen!” “No Cookie Manufacturing Unit Central Europe Drive Cleaning management-Job”, “Baby”!

B:                    Ich soll Sie also überzeugen??? (gefährlicher Tonfall)

C:                    “Naturaly! Do it. Take your Chance”, Freundchen! – Noch ein Keks?

B:                    No! Keks beiseite! – Haben Sie denn nicht schon einmal daran gedacht, dass es noch einen anderen Grund für jemanden geben könnte, sich nicht im digitalen Raum zu bewegen? Zumal, wenn dieser Jemand überdurchschnittliche Ahnung von der modernen Welt besitzt? Wenn er in Ihren Strukturen nicht nur Zuhause ist, sondern sie geradezu ERSCHAFFT? So wie ich!

 C:                    Einen anderen Grund, als der, ein Sonderling zu sein!? Nein!

B:                    Nun, es handelt sich bei solchen Jemanden – wie mir – vielleicht nicht um ein Verstecken, sondern um ein Zeichen von Wissen.

 C:                    Wissen?

B:                    Nun – (Er klappt seinen mitgeführten Flach-PC auf) – ich bin Datenfachmann und darum weiß ich: Was man auch nur einmal irgendwo im oder am Netzwerk speichert, kann ein Jemand mit Wissen überall und zu jeder Zeit einsehen, lesen, schützen oder offenbaren!

C:                    Schluck!

B:                    Reden wir Deutsch, Mr. Kekskopf! SIE haben zwar nichts Privates von mir, ICH habe dafür aber umso mehr von Ihnen, Ihrem Hund, Ihrer Frau… und Ihrer Sekretärin!

C:                    Unerhört! How that! Haben Sie etwa „gehackt“? „Illegale Data-Grabbings-Handling“?

B:                    Noch kein Handel, nein. Noch nicht. Nur soviel: Es ist quer durch bei Faicebook“, welche sexuellen Praktiken Sie wann, wo mit wem oder was am liebsten betreiben. Die Filmchen von der „Pferdenummer“ mit Ihrer Sekretärin…

C:                    „Stop it!“

B:                    …muss nicht unbedingt Jeder sehen, oder? Ich habe den Datenstrom geblockt, um meinem potentiellen zukünftigen Chef ein wenig… Wohlwollen zu zeigen.

 C:                    Es reicht!

B:                    Naja, ihre letzte Betriebs-Steuererklärung inklusiver der leicht…modifizierten Spesenabrechnungen für die Pferdetouren in Monaco sind zurzeit DER Brüller in den asiatischen „Online-Charts“. Hab ich dort hin transferiert. Aber keine Sorge: Für meinen zukünftigen Chef – für Sie Mr. Kekskopf – habe ich die pikanten Stellen  selbstverständlich noch anonymisiert! – Ich bin doch ein Guter!

 C:                    Mir fehlen die „words“!

B:                    Und Ihre persönlichen Protokolle zum Keks-Kartell im strukturschwachen Griechenland, also Ihren Versuchen, aus der EURO-Krise leicht unsauber Profit zu schlagen, hab ich auch noch in der Schweiz abgefangen, bevor die Bunderegierung neue CDs einkauft, Sie verstehen?

C:                    Allmählich ja!

B:                    Wunderbar! – Dann hab ich Sie sicherlich zum…  „Payroll-Move“ überzeugen können, nicht wahr? – Möchten Sie einen Keks?

C:                    J…ja, gern! „Thanks“. – Nun, wenn ich es recht überlege: Gerade ist mir eingefallen, dass wir einen besonderen Fachmann brauchen können. Einen Datenschutz-Manager. Jemand, dem wir vertrauen können. Jemanden wie Sie! Herzlichen Glückwunsch!

B:                    Zu freundlich, Herr Klötermann. Als erstes werde ich mich dann um die Videos aus Ihrer Studienzeit kümmern. An die erinnern Sie sich doch sicher noch, oder? Ich sage nur: „Genital-Casting“!

 C:                    Jajaja. Ein gutes Projekt, ein offensiver Vorschlag… Wie viel Gehalt dürfen wir Ihnen zahlen?

B:                    Darüber reden wir morgen, finde ich. Jetzt sollten wir erstmal feiern, Boss!

 C:                    “Sure. Yes. Indeed”.

B:                    Sie werden es nicht bereuen, Boss, mich kennen gelernt zu haben! DAS KANN ICH IHNEN VERSPRECHEN (gefährlicher Ton).

 

C  schaut entsetzt und Bewerber lacht schallend

 

Von Dario Muskato