Unterwegs von Heimat nach Reimat    

(inspiriert by Britta und Arne)

 

Ich kann es immer noch spüren.

Kann es immer noch hören, kann es riechen.

Das Damals.

 

Den ersten Ort.

 

Den Ort … Kindheit.

 

Ein Ort ohne Grenzen.

Kein “der” oder “die”.

So dicht bei mir, als wäre es … ich. (Als wäre ich “es”.)

 

Unvorstellbar – dass ich es jemals verlassen sollte.

Wollte.

 

 

 

Heute – lebe ich fern davon.

 

Dass es mich manchmal kaum noch gibt, so fern.

Und alle außer mir vom anderen Stern.

 

 

 

Was ist das für ein Ort – den man nicht verlassen und doch einfach verlassen kann? Scheinbar ohne sich.

Scheinbar auch ohne sich neu zu ver-rändern.

 

Der die alten Freunde plötzlich eine andere Sprache sprechen lässt.

Eine, in die ich meine Veränderung nicht übersetzen kann.

Die sich keinen Reim auf Fremdheit macht.

 

Die neuen Freunde raten mir, mein Fremdsein zu akzeptieren.

Nennen es Unabhängigkeit :

Sei! Doch! Froh!

(Mit diesen lauten, gequälten Ausrufungszeichen.)

Sei doch dankbar! Dafür, dass du das kannst.

 

 

 

Was KANN ich denn schon?

Ausrichten?

 

Gegen das, was zu sein sich alle verschworen zu haben scheinen:

Irgendwie anders.

 

 

 

Meine Heimat ist mir eine Geheimat.

Während auf den Online-Maps ihre Daten als unsensibel eingestuft werden, somit flexibel, austauschbar sind:

 

Karl Marx heißt jetzt wieder “Chemnitz”.

Die alten Namen “entbehrlich”.

Meine Erinnerungen “nostalgisch”.

 

Der Ort Heimat  – eine Wunde in der Geschichtsschreibung.

Jetzt endlich und feierlich geheilt.

 

 

 

Seine Koordinaten in mir schmerzen mich manchmal. Phantom-schmerz-artig.

Wenn das Wetter wechselt. Wenn es (ausgerechnet!) einmal besser wird.

 

 

 

Unterwegs bin ich.

 

Unterwegs BIN ich.

Schon lange.

Wie lange schon bin ich nur noch unterwegs “ich”?

 

 

 

Habe dabei (gefühlt) fast Odysseus überholt.

Habe dabei meine eigenen Bilder verloren (im Rückspiegel).

Meine Lebenszeit (an die Vergänglichkeit).

 

Meine Ziele (aus dem Blick…feld – der Anderen).

 

 

 

Wiedergefunden in mir selbst das: Warum?

 

Das hat sich zwar noch nicht gereimt, war aber … naja:

Irgendwo muss doch jede einmal neu anfangen!

 

 

 

Die Reimat ruft!

… mich schon seit langem.

 

Aber ich ignorierte sie und schwamm mit Jona stumm

noch jahrelang im Kreisverkehr  – verpeilt – im  Wal herum.

 

 

 

Was  – können – Buchstaben?

 

Was  können Buchstaben schon?

 

Was  können Buchstaben schon a-u-s-r-i-c-h-t-e-n?

 

Gegen             –     Heimweh, …

 

 

… denn: In mir kann ich es immer noch spüren.

Kann es immer noch riechen. Kann es sehen, kann es hören:

 

Das Damals.

 

Das erste Wort.

 

Das Wort … Kindheit.

 

 

 

Ein Wort, beinah ohne Gewicht: Ich kann es überall mit hinnehmen.

 

Ohne Schatten: Ich kann es lichter machen, wenn mir zu dunkel wird.

Wenn ich es heute heller haben will.

 

 

 

Ein Wort in sicheren Grenzen:

 

“Reimat”

 

Kein “der” oder “irgendwas” – eine “Die”.

Eine, die Eine: Die bleibt.

 

So dicht bei mir, dass sie mich fast schon reimt.

 

 

 

 

 

xxx

 

 

 

 

 

 

Cleo Nox, Mai 2017

 

(gelesen im Textlabor am 07.06.17)